Eingriffe in das Mikroklima und den Boden
Immer mehr Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Umweltorganisationen warnen vor dem Bau von Windrädern im Wald. Der Waldökologe Prof. Dr. Pierre Ibisch (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) weist darauf hin, dass die massiven Eingriffe durch Windenergieanlagen die ökologischen Funktionen des Waldes erheblich stören und gefährden.
Die riesigen Rotoren erzeugen Turbulenzen, verändern die Luftzirkulation und führen zu einer Abnahme der Luft- und Bodenfeuchtigkeit. Die Überhitzung der Kahlflächen im Sommer erzeugt Thermik, die feuchte Waldluft aus den umgebenden Bereichen absaugt. Dadurch trocknet der Wald weiter aus, und sein Mikroklima wird dauerhaft beeinträchtigt.
Rodungen verändern Licht- und Temperaturverhältnisse, Pflanzen geraten unter Stress. Wegebau, Terrassierungen und große Baufelder führen zu Bodenverdichtung, Wurzelschädigungen, verändertem Wasserabfluss und erhöhter Anfälligkeit der Vegetation für Pilze und Schädlinge. So werden die letzten unzerschnittenen Lebensräume zerstört.
Der Gerechtigkeitswald verliert dadurch seine Funktion als Wasserspeicher, natürliche Klimaanlage und Luftreiniger. Zahlreiche Biotope – Heimat vieler gefährdeter Arten – gehen unwiederbringlich verloren.
Ein Eingriff mitten in ein Wasserschutzgebiet
Besonders gravierend: Der Gerechtigkeitswald liegt im ausgewiesenen Wasserschutzgebiet Almende/Höll, das einen Teil des Trinkwassers sichert. Der geplante Bau von acht Windindustrieanlagen würde dort rund elf Fußballfelder Fläche dauerhaft verdichten und roden – für Fundamente, Zuwegungen, Lagerflächen und Montageplätze.
Folge: Zerstörung wertvoller Waldböden und Beeinträchtigung des natürlichen Wasserhaushalts – mit hohen Risiken für die Trinkwasserneubildung und die lokale Wasserversorgung.
Irreversible Folgen für Natur und Klima
Die Eingriffe durch Windräder und ihre Infrastruktur sind nicht rückgängig zu machen. Eine nachträgliche Begrünung kann die Verluste nicht ausgleichen – zumal die Anlagen nach etwa 20 Jahren zurückgebaut werden sollen, während die Fundamente (ca. 3000 t Stahlbeton) in der Erde bleiben.
Bäume benötigen Jahrzehnte, um eine wirksame Klimaschutzfunktion aufzubauen. Werden Wälder durch Rodungen oder Mikroklimaveränderungen geschwächt, sinkt ihr CO₂-Speichervermögen deutlich.
Wälder sind doppelt wichtig für das Klima: Sie produzieren Sauerstoff und binden CO₂. Doch durch industrielle Eingriffe verlieren sie zunehmend diese Fähigkeit. Der Gerechtigkeitswald mit seinen feuchten und sumpfigen Bereichen hat ein außergewöhnlich großes Potenzial als natürliche CO₂-Senke.
Was wirklich sinnvoll wäre
Statt dort acht Windindustrieanlagen mit breiten Zuwegungen und großen Lagerflächen zu errichten, wäre es ökologisch sinnvoller, bestehende Entwässerungsgräben zu schließen und den Wald wieder zu vernässen. So könnten sich moorartige Strukturen bilden, die langfristig noch mehr CO₂ speichern.
Die bereits begonnenen Wiedervernässungsmaßnahmen und Waldrefugien der Gemeinde Simmozheim und des Forsts Baden-Württemberg sind Schritte in die richtige Richtung – doch sie würden durch die geplanten Windräder zunichtegemacht.
Fazit
Der aktuelle Waldzustandsbericht der Bundesregierung zeigt zwar eine allgemeine Verschlechterung des Waldzustands, doch das gilt nicht für alle Wälder gleichermaßen. Wir bestreiten entschieden, dass die geplanten 171 Hektar des Gerechtigkeitswaldes (Vorrangfläche WC 4, Entwurf 2. Offenlage) ihre Funktion als CO₂-Speicher verloren hätten.
Nur weil der Wald geschwächt ist, darf er nicht weiter zerstört werden – er braucht zusätzlichen Schutz, um sich zu erholen.
Jedes einzelne Windrad in diesem sensiblen Wald- und Wasserschutzgebiet würde die lokale CO₂-Bilanz verschlechtern – nicht verbessern.

